Der Sinn oder Wahnsinn einer Turbo Ausbildung (1)


"Es war dann doch halt ganz anders als wir uns vorgestellt hatten"


Viele Auseinandersetzungen gab es zum Thema sogenannter „Schnellbesohlung“. Es liegt wohl in der Natur, der Generationskonflikt wo man ohnehin nicht auf die Alten hört.


Die Differenzen um so größer, da der Reeder über Jahrzehnte es versäumt hatte Nachwuchs zu produzieren. Wozu auch, Nachwuchs kostet Geld. In gewisser Form total unverständlich, wenn die Reeder über Jahrzehnte sich das Geld gespart haben, jetzt von den Politikern mit Subventionen hoch belohnt werden, damit sie überhaupt welche ausbilden. Die alten Seeleute hätten es lieber gesehen, dass man aus eigenem Interesse ausbildet. Damit erkennt man dann auch, dass wirklich ein in die Zukunft reichendes Interesse besteht. Ausbildung nur weil es Subventionen gibt, billige Arbeitskräfte mit einer ungewissen Zukunft? Für den Steuerzahler auch echt eine Zumutung, wo nun der Reeder inzwischen so dick verdient, er die Ausbildung nicht selber bezahlen kann sondern diese noch vom Staat subventioniert werden muss.


Zum Seemann muss man irgendwie geboren sein. Die lange Zeit auf See, der Kampf gegen die Elemente, die Schaukelei auf den Weltmeeren, leben in einem engen Raum und lange von der Familie getrennt, es liegt halt nur sehr wenigen. Beruf steht für Berufung. Es gibt viele Geschichten aus der Vergangenheit über jene „Schlachtschiffe“, uralt und ohne jeglichen Komfort. Dort durfte sich der Jugendliche erst einmal beweisen. 50% musterte gleich nach der ersten Reise ab, weiter 25% nach der zweiten Reise. Das war halt dem alten Reeder sein Filter, jene die blieben, aus denen sind durch die Reihe weg alles gute Seeleute geworden.


Aus dieser Erfahrung halten die alten Seeleute nichts von bunten Prospekten und Angaben die hier irgendwelche Illusionen hervorrufen sollen, großer Mangel, schnelle Beförderung. Bei über 5 Millionen Arbeitslosen wurden damit Jugendliche angelockt nur damit der Reeder seine Subventionen einstecken konnte, die aber in Wirklichkeit keine geborenen Seeleute sind. „Es war dann halt nicht so wie sie es sich vorgestellt hatten“ laute es später. Verschwendete Jahre, verschwendetes Geld, eben auch die Steuergelder. Uns tut so ein Jugendlicher Leid. Viel besser er hätte sich nicht durch VDR Propaganda verblenden lassen wäre gleich in einem Beruf entsprechend seiner Neigung angefangen. Verschwendete Jahre, die leider oft nicht wieder aufzuholen sind.


Viel zum Thema das maritime Know How. Warnungen gab es schon sehr lange, da hätte die Regierung schon einmal viel früher aufwachen müssen. Es ist ja nicht nur die Seefahrt alleine sondern weite Bereiche an Land die von diesen Erfahrungen abhängig sind. Im Nahe liegenden Fall Logistik, Lotsen, Werften, Zulieferungsbetriebe, Maschinenhersteller, Kraftwerke, führt jedoch noch viel weiter, gerade der Schiffsingenieur war oft beliebt, weil er zwischen den unterschiedlichen technischen Bereichen eine Brücke bauen konnte. Der Volkswirtschaft entstehen inzwischen Milliardenschäden. Oft erkennt man es noch nicht einmal weil eben das Wissen fehlt. Nur das wirkliche maritime Know How erwirbt man sich nicht in schlauen Büchern oder irgendwelchen ISM Manuals. Es ist die lange Erfahrung. Einmal überlegt, bei der Lufthanse wird ein Kapitän nur für ein Flugzeugtyp ausgebildet. Es dauert auch sehr lange bis er als Kapitän die Maschine fliegend darf. Für jeden Flughafen erfolgt dann noch eine gesonderte Schulung. Auf See, jedes Schiff, jede Ladung, jede Welle sind anders. Oft hat man sich gewundert wie der Alte oder der Chief das immer gerochen haben das Gefahr am Verzug war. Vibration des Schiffes? Leider aber auch wohl so, dass man mehr lernt wenn etwas schief geht. Insoweit nun selten etwas ernstes passiert sind es eben Jahrzehnte bis solch ein Stand erreicht wird.